Viva Espana!

Von Daniela Giess

 

Zum Abschied schenkte er ihnen dunkelblaue und rosafarbene T-Shirts mit dem Hückelhoven-Logo: 22 Schülerinnen und Schüler aus Pineda de Mar, nahe der Städte Girona und Barcelona, besuchten jetzt Bürgermeister Bernd Jansen im Rathaus der ehemaligen Zechenstadt. Die spanischen Jugendlichen, 14 bis 16 Jahre alt, sind im Rahmen des Erasmus-Plus-Programms der EU zu Gast an der Hauptschule In der Schlee.

 

Bereits seit 2019 nehmen die Hückelhovener Hauptschüler an dem Projekt teil, das jedoch wegen der anhaltenden Corona-Pandemie ausgebremst wurde und für lange Zeit auf Eis gelegt werden musste. Jetzt geht es endlich weiter. „Für Hauptschüler ist so ein Schüleraustausch etwas ganz Besonderes. Normalerweise findet so etwas ja eher an Gymnasien statt. Daher freuen wir uns für die Schüler umso mehr“, sagte Lehrer Heinz Giesen. Die jungen Hückelhovener nehmen an einem regelmäßigen Austausch per Videokonferenz teil, 15 von ihnen büffeln fleißig Spanisch in einer Arbeitsgemeinschaft der Hauptschule. Schulleiterin Christiane Müller: „Zu verschiedenen Themen wie Feste oder das Schulsystem wurden Kurzfilme erstellt. Mit dem richtigen Kennenlernen ging es dann am 21. März los.“

 

Mit drei betreuenden Lehrkräften machten sich die Mädchen und Jungen aus der Erasmus-Projektgruppe auf den Weg zur spanischen Partnerschule. In Pineda de Mar wurden sie in der Schul-Aula auf Katalanisch und in englischer Sprache begrüßt, um später am berühmten Rosen-Bücher-Fest Sant Jordi teilzunehmen, bei dem man sich duftende Blumen oder Lesestoff schenkt. Zum Programm der Hückelhovener Delegation gehörten selbstverständlich auch Besuche der Städte Girona und Barcelona. Besonders die Millionenstadt hat die Schülerinnen und Schüler aus Hückelhoven begeistert. Und jetzt der sehnsüchtig erwartete Gegenbesuch in Hückelhoven.

 

„Es sind schwierige, verrückte Zeiten“, sagte Bürgermeister Bernd Jansen, der seine jungen Gäste im großen Sitzungssaal empfing. „Vor einem Jahr hätten wir noch nicht gedacht, dass es mal Krieg in Europa geben könnte.“ Der Erste Bürger berichtete, dass aktuell rund 260 Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen worden seien. Um schnellstmöglich das Erlernen der deutschen Sprache zu ermöglichen, sollen Kindergartenplätze und Schulbesuche organisiert werden.

 

Was der Verwaltungschef in seiner ausführlichen Ansprache, die auf Englisch übersetzt wurde, ausdrücklich lobte: „Ich erlebe eine wahnsinnige Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. In unserer Stadt mit 100 Nationen sind wir hier multi-kulti.“ Jansen erklärte, dass Hückelhoven eine „alte Bergbaustadt“ sei, die einst über eine der modernsten Zechen Europas verfügt habe. Das Aus für Sophia-Jacoba sei am 27. März 1997 gekommen. „Ein schmerzlicher Tag in der Geschichte der Stadt.“ Dann schilderte er, wie positiv sich Hückelhoven nach der Zechenschließung entwickelt habe. Den Strukturwandel bezeichnete er als „sehr gelungen“, 4000 Arbeitsplätze seien zusätzlich geschaffen worden, als die verlorenen Arbeitsplätze kompensiert werden sollten. „In Krisen wie mit Corona oder jetzt im Ukraine-Krieg stehen wir sehr gut da.“ Die Stadt könne und wolle investieren, vor allem ins Bildungssystem, bis jetzt schon 80 Millionen Euro. „Wir sind eine wachsende Stadt. Seit dem Zechen-Aus haben wir 4000 Einwohner mehr“, so Jansen. Sein Ausblick in die Zukunft: In allen Schulen im gesamten Stadtgebiet sollen die alten Tafeln durch moderne Smartboards in jedem Klassenzimmer ersetzt werden, auf der stillgelegten Bahnstrecke entsteht ein sieben Kilometer langer Fahrradschnellweg mit Beleuchtung und Bänken.

 

Ausflüge nach Maastricht, Köln und Düsseldorf mit Besuch des Filmmuseums in der Landeshauptstadt, gemeinsames Kochen in der Hauptschule sowie eine Exkursion zum Energeticon in Alsdorf gehörten zum abwechslungsreichen Programm der spanischen Gäste, die am Samstag nach Barcelona zurückfliegen und von dort an die Costa Brava, die wilde Küste, zurückfahren. Bei einem kleinen Stadtrundgang lernten sie die Hückelhovener Innenstadt näher kennen.

 

Quelle: Rheinische Post, 06.05.2022